Stadtansicht von Erfurt in Thüringen

Landapotheken in Thüringen: Förderung und Lage 2026

Landapotheken in Thüringen stehen vor einer ungewöhnlichen Situation: Das Land fördert ihre Gründung und Übernahme seit 2023, trotzdem sinkt die Zahl der Apotheken im Freistaat Jahr für Jahr. Wie passt das zusammen, und was heißt das für dich, wenn du in einer kleineren Gemeinde wohnst? Wir haben uns Zahlen und Berichte aus den vergangenen Monaten angesehen.

Auf einen Blick

  • Thüringen verlor 2025 so viele Apotheken wie nie zuvor in einem Jahr: 13 Schließungen laut Landesapothekerkammer.
  • Zu Jahresbeginn 2026 gab es 474 Apotheken, am 30. Juni 2026 noch 472.
  • Zwei Gemeinden, Blankenstein an der Saale und Wandersleben, verloren 2025 ihre einzige Apotheke.
  • Seit 2023 hat das Land sechs Landapotheken mit zusammen 245.000 Euro gefördert, fünf weitere Anträge liegen vor (Stand Oktober 2026).

Wie steht es um die Apothekenzahl in Thüringen?

Die Landesapothekerkammer Thüringen teilte im Januar 2026 mit, dass 2025 in Thüringen 13 Apotheken aufgegeben haben. So viele waren es in einem einzelnen Jahr noch nie. Es ist das 15. Jahr in Folge, in dem die Zahl im Freistaat sinkt. Ende 2025 gab es noch 474 Apotheken, mehr als 110 weniger als im Jahr 2010. Kammergeschäftsführer Danny Neidel sagte: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Trend stoppen ließe.“

Wie geht es 2026 weiter? Die Pharmazeutische Zeitung meldete im Juli für das zweite Quartal drei Schließungen und zwei Neueröffnungen, der Bestand lag am 30. Juni 2026 bei 472 Apotheken. Das Minus ist kleiner geworden, aber es ist weiterhin ein Minus. Wer in Thüringen eine Apotheke in der Nähe sucht, findet auf der Seite Apotheken in Thüringen auf der Karte finden die aktuellen Standorte.

Was bedeutet es, wenn der einzige Standort wegfällt?

Für große Städte wie Erfurt oder Jena ist eine Schließung meist ein Wechsel zur nächsten Straße. In kleinen Orten ist es mehr. Laut Landesapothekerkammer haben 2025 gleich zwei Gemeinden ihre einzige Apotheke am Ort verloren: Blankenstein an der Saale und Wandersleben. Neidel nannte das „besonders dramatisch“. Wer dort wohnt, muss für Rezepte und Beratung künftig weiter fahren, was vor allem ältere oder weniger mobile Menschen trifft.

Das regionale Onlineportal Thüringen im Blick (THIB24) verweist in seinem Bericht vom 25. März 2026 auf die Folgen: längere Wege für Patientinnen und Patienten und zusätzliche Belastung der verbleibenden Apotheken. Ohne grundlegende Änderungen an der Honorarstruktur bleibe die flächendeckende Versorgung unsicher.

Warum geraten Thüringer Apotheken unter Druck?

THIB24 stützt sich auf eine Auswertung der Wirtschaftsauskunftei CRIF gemeinsam mit der Landesapothekerkammer und dem Thüringer Apothekerverband. Danach stieg der Anteil gefährdeter Apotheken, also mit einem Bonitätsindex zwischen 4,5 und 6,0, bundesweit um 12,6 Prozent, in Thüringen um 22,2 Prozent. Damit zählt der Freistaat zu den stark belasteten Ländern. Als Ursachen nennt der Bericht:

  • ein Festhonorar, das seit 2013 nicht angepasst wurde, bei Betriebskosten, die seither um geschätzt 65 Prozent gestiegen sind,
  • höhere Energiepreise, Mieten und Personalkosten,
  • Bürokratie und die schwierige Suche nach pharmazeutischem Personal.

Zur Einordnung: Insgesamt gelten laut demselben Bericht 1,7 Prozent der Apotheken als insolvenzgefährdet, in der Gesamtwirtschaft sind es etwa 10,3 Prozent der Unternehmen. CRIF-Geschäftsführer Frank Schlein warnt trotzdem vor Entwarnung, weil die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben wächst. Die Landesapothekerkammer schätzt zudem, dass die Honorare ungefähr auf dem Niveau von vor 15 Jahren liegen.

Was leistet die Landapothekenförderung?

Seit 2023 unterstützt Thüringen approbierte Apothekerinnen und Apotheker, die eine Landapotheke übernehmen oder neu gründen. Als Landapotheke gilt ein Betrieb in einer Gemeinde mit weniger als 25.000 Einwohnern. Die Pharmazeutische Zeitung hat im Oktober 2026 beim Thüringer Landesverwaltungsamt nachgefragt. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus:

  • Sechs Niederlassungen wurden seit 2023 mit zusammen 245.000 Euro gefördert, drei Anfragen abgelehnt, fünf Anträge liegen noch vor.
  • Zeitlich verteilt sich das auf eine Förderung 2023, zwei 2024, eine 2025 und zwei Bewilligungen 2026 (40.000 und 45.000 Euro).
  • Die Mittel gingen in die Landkreise Hildburghausen, Meiningen, Sonneberg, Saale-Holzland-Kreis und Eichsfeld.

Seit Jahresbeginn 2026 gelten verbesserte Bedingungen: bis zu 50.000 Euro für Investitionen und bis zu 5.000 Euro für Barrierefreiheit. THIB24 nennt als Voraussetzung unter anderem, dass im Umkreis von 20 Fahrminuten keine andere Apotheke besteht. Die genannte Summe betrifft Apotheken, Arztpraxen und Zahnarztpraxen im ländlichen Raum zusammen, die Gesamtmittel stiegen von 540.000 Euro (2023) auf 2.485.000 Euro (2026). Apotheken haben daran bisher nur einen kleinen Anteil. Förderung allein, so lässt sich daraus lesen, kann die wirtschaftlichen Grundprobleme nicht auffangen. Wenn du dich regional umsehen möchtest: Für die geförderten Kreise findest du Übersichten zu Hildburghausen, Sonneberg und Meiningen.

Was kannst du tun?

Prüfe, welche Apotheken im Umkreis deines Wohnortes liegen und wie sie erreichbar sind. Sprich in deiner Stammapotheke an, ob ein Botendienst möglich ist, und plane Dauermedikation mit etwas Vorlauf. Das E-Rezept kannst du in jeder Apotheke einlösen. Eine Übersicht über weitere Orte bietet außerdem das ApoGuru-Verzeichnis.

Neu: So stand es im dritten Quartal 2026

Die Pharmazeutische Zeitung hat am 9. Oktober 2026 die Quartalszahlen der Apothekerkammern veröffentlicht. Für Thüringen meldet sie im dritten Quartal 4 Schließungen und keine Neueröffnung. Insgesamt gab es damit 468 Apotheken. Die Zahlen hat die Zeitung bei den Kammern abgefragt, nicht aus allen Ländern lagen sie zum Redaktionsschluss vor. Welche Standorte es aktuell in Thüringen gibt, siehst du auf der Karte mit allen Apotheken.

Quellen und weiterführende Links